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  • Susanne

Ein bisschen Robinson Crusoe

Aktualisiert: Mai 3



In einem tropischen Gebiet, in dem lehmreiche Böden vorherrschen und der Regen Mineralstoffe schonungslos hinwegspült, ist guter Dünger unverzichtbar. Die weiße Bohne „Canavalia“ ist der Bodenverbesserer meiner Wahl. Wie alle Bohnenarten ist sie eine Leguminose, die mit kleinen Knötchen in den Wurzeln Stickstoff im Boden binden. Das ist hier dringend nötig. Gleichzeitig sind die grossen Blätter Schattenspender und bedecken nach der Ernte als organisches Material den Boden. Das Beste aber: Die Pflanze verfügt über eine ganz besondere Art des natürlichen Insektenschutzes.


Die Canavalia verweist Blattschneideameisen in ihre Schranken! Es ist zwar hübsch anzusehen, wie die außergewöhnlich starken Tierchen, die ein Vielfaches ihres Körpergewichtes schleppen können, mit Blättern beladen auf ihren Straßen hin- und herlaufen. Auch mich fasziniert der Anblick immer wieder. Wenn sie jedoch einmal die mühevoll herangezogenen Kakaobäume nackt zurückgelassen haben, betrachtet man ihre Arbeit aus einem anderen Blickwinkel. Ich habe in meinen Gesprächen mit vielen erfahrenen Landwirten aus ganz Nicaragua bisher kein wirksames Gegenmittel gefunden. Immer wieder bekomme ich die gleiche Antwort, die einzige Alternative ist Gift. Eine fiese chemische Keule, die nicht nur gegen Ameisen wirkt, sondern auch für den Menschen gefährlich sein kann.


Aber scheinbar ist diese Wunderbohne rar geworden. Früher wurden in ganz Nicaragua viele verschiedene Gewächse angebaut, doch Monokulturen und „moderne“ Anbautechniken haben die Artenvielfalt zugunsten einiger weniger Sorten eingeschränkt. Ich frage nun seit Monaten herum, woher ich diese Bohnen denn nun herbekommen könnte. Nur den Älteren oder diplomierten Agrarökonomen ist sie überhaupt ein Begriff. „Die baut heute kein Mensch mehr an, was willst du damit? Die kann man nicht mal essen. Nimm lieber die Frijol Terciopelo, die bekommst du überall.“ Das will ich aber nicht, und zwar aus zwei Gründen: Erstens strangulieren diese rankenden Bohnenarten die zarten Kakaobäume förmlich und zweitens kann man die Canavalia doch essen! Allerdings muss man sie jung ernten und verarbeiten. Einmal getrocknet, werden die Bohnen hart und ungenießbar. Zumindest für den menschlichen Gaumen.


Doch manchmal ist das Gesuchte näher als man vermutet. Durch Zufall habe ich, bei einem Ausflug, ein paar versprengte Pflanzen gefunden. Zu meinem Glück trugen sie sogar reife Früchte und ich habe meinen Schatz (ca. 30 Bohnen) behutsam eingesammelt und nach Hause getragen. Jetzt kann ich mit der Vermehrung, ganz wie Robinson Crusoe, starten!

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